Drei junge internationale Designer, Yufei Gao, Julie Merlino und Eszter Nagy, ließen sich während ihres Aufenthalts bei Designregio Kortrijk von Kortrijk als Textilstandort und Grenzgebiet inspirieren. Mit Projekten, die von Leinen-Grenzpfosten über Moiré-Effekte bis hin zu digitalen Wandteppichen reichen, erkunden sie die Schnittstellen zwischen Tradition und Technologie.
All the Small Things zeigt die Ergebnisse von Designers in Residence Kortrijk von Designregio Kortrijk 2024. Jedes Jahr wählt eine Jury drei frischgebackene Designer aus verschiedenen kreativen Disziplinen aus. Diese erhalten drei Monate Zeit, um ein Konzept zu entwickeln, wobei sie mit Bürgern, Unternehmern, Bildungseinrichtungen und der Gesellschaft zusammenarbeiten. Die drei Designers in Residence Yufei Gao, Julie Merlino und Eszter Nagy residierten von September bis Dezember 2024 in Kortrijk.
Kortrijk ist für zwei Dinge bekannt: als Textilstadt seit dem Mittelalter und als Grenze. Seit dem Vertrag von Kortrijk von 1820 markieren 300 Grenzsteine die Trennung zu Frankreich. Im Jahr 2021 wurde Belgien ein wenig größer, als ein Bauer diese Grenze um 2,29 Meter verschob. Eine spannende Geschichte, mit der sich Yufei Gao in ihrem Video-Essay mit dem Titel „Eine Grenze ist keine Begrenzung” beschäftigt. Sie baute einen Grenzposten aus Leinen und filmte ihn, während sie entlang der französisch-belgischen Grenze wanderte. Damit erinnert sie daran, wie Mensch, Industrie und Migration miteinander verwoben sind.
Licht reagiert unterschiedlich auf Materialien: Es reflektiert, wird gebrochen oder sorgt für Glanz. So wie beim Anblick von belgischem Damast, einer traditionellen Webtechnik, für die Kortrijk im 16. Jahrhundert bekannt war. Die komplexe Struktur des Stoffes und die darin verarbeiteten Muster bieten ein interessantes Seherlebnis. Diese Dynamik faszinierte Julie Merlino. Mit A change in frequency untersucht sie Gewebe, die sich je nach Wahrnehmung und Position des Betrachters dynamisch verschieben. Die Untersuchung basiert auf Phänomenen wie dem Moiré-Bewegungseffekt und macht Mikrostrukturen sichtbar.
Eine binäre Logik verbindet die Welt der Computer und die Welt des Webens. Bei Computern bestimmt sie, ob ein Pixel gezeichnet wird oder nicht; beim Weben findet dieselbe binäre Argumentation statt, wenn der Kettfaden angehoben oder abgesenkt wird. Eszter Nagy verwebt Handwerkskunst mit der digitalen Welt. Ausgehend von einer Serviette aus der Kollektion von Texture, die 1987 von Marc Van Hoe entworfen und von Verilin in Kortrijk gewebt wurde, verwandelt ihre Arbeit Edge or No Edge lokale Ikonen in digitale Kopien. In ihrer Installation, in der ein Wandteppich neben LED-Bildschirmen platziert ist, schafft sie einen Dialog zwischen Pixeln und Stofffäden.
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