Soft Objects (c) Cécile Rosenstrauch

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Eine Strickmaschine als 3D-Drucker

01 Sep 2026
Soft Objects (c) Stad Kortrijk

Eine Strickmaschine als 3D-Drucker

Vom Handwerk zur Leidenschaft und wieder zurück

Diesen Herbst ist Gaspard Fleury-Dugy zu Gast im Texture. Der Pariser Designer und Künstler arbeitet an der Schnittstelle von Handwerk und Innovation, genau das, was wir bei Texture lieben. Kein Wunder also, dass er 2025 als allererster den Texture-Preis bei der Objet Textile Biennale von La Manufacture in Roubaix gewann. Wir haben mit ihm gesprochen.

Im Texture blicken wir nicht nur auf das handwerkliche Können und den Unternehmergeist unserer ehemaligen Textilregion zurück. Wir zeigen auch, wie diese Traditionen bis heute Innovation und Kreativität inspirieren. Der Textilkünstler Gaspard Fleury-Dugy passt perfekt in diese Geschichte: „Ich liebe es, traditionelle Techniken abzuwandeln und daraus etwas Neues zu entwickeln. Wenn Menschen meine Arbeiten sehen, denken sie oft, dass es sich um 3D-Druck oder Keramik handelt. Wenn ich ihnen dann erkläre, dass es eigentlich nur Strickarbeit ist – wie bei ihren Socken zum Beispiel –, sind sie überrascht. Daraus entsteht oft ein ganzes Gespräch über Technik und Produktion. Ich finde es spannend, Menschen dazu zu bringen, Dinge anders zu betrachten.“

Zu dieser überraschenden und eigenwilligen Arbeitsweise gelangte Gaspard Fleury-Dugy über einen Weg, der von bewussten Entscheidungen und zufälligen Entdeckungen geprägt ist. Dieser Weg begann bereits in der weiterführenden Schule, wo er sich für den Ausbildungsgang Sciences et Technologies du Design et des Arts Appliqués entschied. Eine Fachrichtung, die ihm eigentlich sehr gut lag – zumindest fast: „Mit einem Teil kam ich überhaupt nicht zurecht: dem klassischen Zeichnen. Deshalb wandte ich mich immer stärker dem Textil zu. Farbverhältnisse, Muster, Linien: Das bot mir eine viel freiere und sensiblere Art zu zeichnen.“

Soft Objects (c) Cécile Rosenstrauch

Die École Duperré für angewandte Kunst in Paris war daher der logische nächste Schritt. Dort entdeckte er, fast durch Zufall, die Stricktechnik, die er heute so gerne in seiner Kunst einsetzt: „Wir bekamen eine Einführung in so gut wie alle Textiltechniken. Das Stricken hat mich am meisten angesprochen – vor allem, als ich entdeckte, dass man damit tatsächlich Volumen erzeugen kann. Man kann eine Strickmaschine so sehr an die eigenen Bedürfnisse anpassen, dass sie fast zu einem 3D-Drucker wird.“

Er war fasziniert von industriellen Strickmaschinen: „Schritt für Schritt lernte ich, damit zu arbeiten, und ich erkundete, wie ich ihre Möglichkeiten erweitern konnte, um etwas Innovatives zu schaffen. So entwickelte sich meine eigene Bildsprache. Ich sage heute oft, dass die Maschine mein Bleistift ist und das Garn die Linien, die ich zeichne. Keine flachen Linien, sondern Skulpturen – oder besser noch: Architektur.“

Die Verbindung zur Architektur ist tatsächlich nie weit entfernt. Gaspard begeistert sich für Architekten, die mit geschwungenen Linien arbeiten, etwa den Brasilianer Oscar Niemeyer oder den Spanier Santiago Calatrava, der Ingenieurskunst und Architektur zu spektakulären, beinahe „unmöglichen“ Brücken verbindet. Diese Formen und Volumen finden sich sehr deutlich in seiner Serie Soft Objects wieder, die auf ihre Weise fast ebenso unmöglich erscheinen. Darüber hinaus lässt er sich von den Farben und Bewegungen des Zirkus inspirieren. Als Trapezkünstler versteht er seine Arbeiten als eine Reihe geschmeidiger und farbenfroher Pirouetten: ein Spiel aus Bewegung, Balance und Rhythmus.

Soft Objects (c) Cécile Rosenstrauch

Um das Unmögliche möglich zu machen, setzt er geschickt neue Technologien ein: „Ich beginne meistens damit, Formen in der virtuellen Realität zu zeichnen. Ich setze eine VR-Brille auf und nutze digitale Werkzeuge, um mit unterschiedlichsten Volumen zu experimentieren. Sobald ich eine Form gefunden habe, die mir gefällt, zerlege ich sie virtuell in einzelne Teile. Anschließend programmiere ich diese Teile und verwende sie wie eine Art Baukastensystem, mit dem ich die industrielle Strickmaschine programmieren kann. Danach geht es um Farben und Muster. Diese Muster sind häufig von traditionellen Techniken inspiriert, etwa von geflochtenen Körben.“

Das Ergebnis dieser besonderen Verbindung von Tradition und Innovation bringt den Betrachter aus dem Gleichgewicht. Seine erste Kollektion, Soft Objects, erinnert an klassische Vasen und gleichzeitig an unsere zeitgenössische digitale Bildkultur. Natürliche Formen treffen auf futuristische Details. Die Farben sind zugleich leuchtend und sanft. Die Sinne wissen für einen Moment nicht so recht, wo sie anfangen sollen …

Inzwischen hat Gaspard Fleury-Dugy sein eigenes Designstudio gegründet und experimentiert weiter. So möchte er seine Arbeiten noch immersiver gestalten und spielt beispielsweise mit Licht. Seine Arbeiten waren bereits in Paris, Mailand, Eindhoven und auf der Weltausstellung in Osaka zu sehen. Und nun ist er bei uns im Texture zu Gast – eine Premiere in Belgien. In der Ausstellung Soft Objects zeigt er bestehende Arbeiten, entwickelt aber auch neue Objekte speziell für Kortrijk. Ein Besuch lohnt sich.